Schlaglicht
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
Dieser Spruch aus dem 91. Psalm ist der Renner bei Tauffamilien und bei Konfirmand*innen wenn es um die Wahl ihres Tauf- oder Konfirmationsspruches geht. Engel stehen nun mal hoch im Kurs, selbst bei Menschen, die absolut nichts mit Bibel oder Kirche am Hut haben. Die Frage ist nur, ob sich z.B. die Taufeltern oder die Konfis Engel so vorstellen, wie sie die Besucher*innen des Neujahrsempfangs der Evangelischen Jugend im Martin-Butzer-Haus erlebt haben. Da saßen fünf schräge Engelgestalten des ehemaligen Vorstandes auf der Bühne beim Kabarett-Gottesdienst und blickten von der Wolke 3.5 auf die Ergebnisse des Transformationsprozesses. Humorvoll, aber nicht ohne den ein oder anderen bissigen Kommentar.
Ich persönlich habe es zwar nicht so mit dem Engelglaube, aber für mich haben diese himmlischen Gottesboten zwei Funktionen.
Zum einen vermitteln sie Hoffnung und Zuversicht, vor allem in den Übergängen und Sollbruchstellen im Leben. Deshalb werden sie gerade beschworen bei vielen Taufen, wenn es um neues Leben geht, für das man als Erwachsene die Verantwortung kriegt oder bei Konfis, wenn sie merken, dass sie keine Kinder mehr sind und immer mehr selber über ihr Leben entscheiden. Engel vermitteln die Hoffnung, dass schon alles gut gehen wird, wenn sich im Leben etwas verändert.
Zum anderen sind Engel für mich so etwas wie die göttliche Stimme in meinem Inneren, die mir zuflüstern, was gut für mich ist oder von was ich besser die Finger lasse. Das beginnt bei ganz persönlichen Dingen und Entscheidungen, wie z.B. die Frage, was will ich denn aus meinem Leben machen. Das ist aber auch der Fall bei jungen Menschen, die in diesen Wochen einen Brief bekommen, ob sie bereit sind, Kriegsdienst mit der Waffe zu tun. Auch bei dieser schwierigen Entscheidung ist es ganz wichtig auf seine innere Stimme zu hören, also sowas wie auf meinen ganz persönlichen Engel.
Aber es geht noch weiter. Ich denke, Engel sind auch wie eine göttliche Stimme tief in mir drin, die mich z.B. zu einer Demo für Demokratie treibt, weil ich es als Christ*in absolut nicht mit meinem Glauben vereinbaren kann, dass sich die rechte Seuche immer mehr in unserer Gesellschaft breit macht und alles vergiftet, wofür Christ*innen in dieser Welt stehen. Genau dazu machen diese Himmelswesen Mut, damit wir uns nie abfinden mit dem, was diesem Frieden auf Erden sich in den Weg stellen will.
Und Mut und Beharrungsvermögen, sich nicht abzufinden, gerade wenn z.B. rechte Demagog*innen diese Welt an sich reißen wollen oder wenn Frieden wieder mit Waffen erreicht werden soll, brauchen wir gerade in diesem Jahr im Blick auf die Landtagswahlen.
In der Jahreslosung für 2026 heißt es „Gott macht alles neu“. Vielleicht wird in diesem Jahr nicht alles neu, denn vieles ist ja auch gut so wie es ist. Aber gerade Christ*innen sollten nie aufhören, alles neu zu überdenken.
Also: Lassen wir uns in diesem Jahr von den Engeln beflügeln und schaffen wir Neues dort, wo es in unserer Macht steht!